Rezension | "London Stalker" - Oliver Harris

Freitag, 13. April 2018

Detective Nick Belsey ist vom Dienst suspendiert, hat eine Anklage am Hals und haust im verlassenen Polizeirevier von Hampstead. Amber Knight ist Londons größtes It-Girl und lebt das glamouröse Leben eines Pop- und Filmstars. Als eines Tages eine ältere Frau bei Belsey anklopft und ihn bittet, ihren Sohn aufzuspüren, der seit Tagen verschwunden ist, findet Belsey Hinweise darauf, dass er Amber Knight gestalkt hat. Belsey schmuggelt sich als Security-Mann in Amber Knights Leben ein und gerät, als eine Bekannte von Amber tot aufgefunden wird, selbst unter Mordverdacht. Während er versucht, seinen eigenen Hals zu retten sowie den wahren Täter und den Vermissten zu finden, stößt Belsey hinter Reichtum, Glanz und Glamour auf Verzweiflung, Obsession und eine mysteriöse Organisation, die davon zu profitieren scheint. (Quelle: Randomhouse)

 Erscheinungsjahr: 2017
Genre: Krimi/Thriller
Sprache: Deutsch
Verlag: Blessing
Seiten: 368


So...wo fangen wir denn an?
Das Buch habe ich von Randomhouse zum Rezensieren zur Verfügung gestellt bekommen und ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich froh bin, kein Geld dafür ausgegeben zu haben. Aber dazu später mehr.

Das Cover hat mich sehr angesprochen, da mir die Farben und eigentlich die gesamte Aufmachung super gefallen haben – da es als gebundenes Buch erschienen ist, macht es einen hochwertigen Eindruck und liegt angenehm in der Hand (ich glaube, bisher habe ich Krimis immer nur als Taschenbuchausgabe gelesen). Hinten auf dem Buch heißt es: 

„Ein packender, raffinierter Thriller über die Obsessionen und Abgründe hinter Londons glamouröser Welt der Reichen und Schönen, und ein draufgängerischer Ermittler, der unter seinen Fans bereits Kultstatus erlangt hat.“

Dem habe ich Glauben geschenkt, denn mit dem Zusatz „BritishNoir vom Feinsten!“ der Berliner Morgenpost klang es wie ein Roman, der mir zusagen könnte, da ich in total vernarrt in das London abseits der Touristenrouten bin und auf diesen Ermittler mit Kultstatus gespannt war.

Ich merke an, es ist der dritte Teil der Reihe um Detective Nick Belsey und anders als bei Krimireihen, die ich bisher gelesen habe, scheinen die Teile hier sehr stark miteinander verknüpft zu sein. Falls ihr beschließen solltet, das Buch lesen zu wollen, empfehle ich euch, euch zuerst die ersten beiden Bücher vorzunehmen. Einige Dinge habe ich nämlich nicht verstanden, weil sie wohl in Belseys vergangenen Fällen thematisiert wurden und da wäre es vielleicht schlauer gewesen, nicht bei Teil Drei einzusteigen.
Aber kommen wir nun zum Inhalt.
Nick Belsey ist anders als die Ermittler, die ich bisher aus Krimis kenne. Er ist suspendiert, wird selber polizeilich gesucht und hält sich deshalb nicht mehr in seiner Wohnung auf, sondern lebt wie ein Einsiedler mit Campingkocher und kaum den Klamotten, die er am Leib trägt, in einer verlassenen Polizeistation. Soweit, so gut. Die Story war bis zu dem Zeitpunkt, als Belsey auf der Suche nach dem verschwundenen Sohn auf die prominente Amber Knight stößt, sehr schlüssig. Doch ab da ist es meiner Meinung nach absurd geworden. Keiner kann mir erzählen, dass das Haus von Amber einerseits so bewacht wird, dass Reporter und Fans keine Chance haben, einen Blick hinein zu werfen, aber es andererseits ein Kinderspiel für Belsey ist, sich „undercover“als neuer Securitymann auszugeben und so problemlos in der Villa und in der Nähe von Amber herumzuspazieren. Teilweise hatte ich auch echte Verständnisprobleme, weil mir das Geschehen (hauptsächlich im Haus der Prominenten) so wirr erschien. Ich weiß nicht, ob ich einfach Dinge überlesen habe, aber auch wenn ich manchmal Textpassagen nur überfliege, ist mir sowas noch nie passiert, deshalb glaube ich nicht wirklich daran.
Im weiteren Verlauf des Romans steigt Belsey immer mehr hinein in die Welt des Glamours, unter anderem, als er von Amber gebeten wird, sie auf eine Luxus-Party zu begleiten. Im Glauben, dass der Detective ja eigentlich sehr heruntergekommen aussehen muss, habe ich gezweifelt, ob er in seinem Aufzug überhaupt auf dieses exklusive Event gelassen wird (Erinnerung: er wohnt in einem staubigen Polizeirevier und die Uniformjacke, die er zu diesem Anlass anzog, wurde auch nicht wie funkelnagelneu beschrieben, außerdem kristallisiert sich nach und nach ein vermeindliches Alkoholproblem raus, was ja ebenfalls Spuren hinterlässt). Aber ich habe mich getäuscht. Den ein oder anderen Leser wird es nicht stören, aber für mich war es ein weiterer Punkt auf meiner Liste der Unglaubwürdigkeiten.

Dass Belsey in seiner Ein-Mann-Ermittlung mühelos und teilweise mit falschem Namen an vertrauliche Dokumente und Dateien wie zum Beispiel Überwachungsvideos kommt, ohne je seine nicht vorhandene Dienstmarke (denn er ist nun mal suspendiert) zu zeigen, wo in der Bürokratie der heutigen Welt x Durchsuchungsbeschlüsse hätten vorliegen müssen, kommt mir seltsam vor. Noch dazu kennt er scheinbar jeden Schleichweg und Hintereingang in ganz London, was ihn aus so manch brenzliger Situation rettet. Da finde ich, hat es sich der Autor eindeutig zu einfach gemacht.
Das ist nur ein kurzer Eindruck der Dinge, die mir undurchdacht erschienen und ich könnte noch seitenlang weiterschreiben, aber das würde sicher uninteressant werden und den Rahmen sprengen.

Die Idee der Geschichte an sich war ziemlich spannend und da ich total auf Sektenkram stehe, habe ich bis zum Schluss die Hoffnung bewahrt, es könne doch nur besser werden. Einige Szenen waren auch recht aufregend, aber das Ende hat mich nicht überzeugt.
Leider konnte ich mich zusätzlich überhaupt nicht mit Belsey identifizieren und die Personen in seinem Umfeld wurden so eindimensional beleuchtet, dass ich keine Sympathie für irgendwen entwickelt habe. Einzig und allein eine Hackerin, die der Detective einmal besucht, hat mein Interesse geweckt, doch auch da hätte ich mir eine persönlichere Erzählebene gewünscht.

Mir kam es fast so vor, als würde man mich durch den Schreibstil auf Abstand halten. Als würde ich auf ein Geschehen blicken, das nicht für meine Augen bestimmt war. Auch in Belseys Gedanken und Handlungen spiegelt sich die Nüchternheit der Erzählung wider, dadurch verlieren eventuell wichtige Situationen an Bedeutung – und der Charakter der Geschichte leidet.
Schade, so groß meine Erwartungen auch waren, so mager war das Ergebnis.
Ich empfehle allerdings, euch eine eigene Meinung zu bilden, am besten mit Bezug zu den ersten beiden Bänden der Belsey-Reihe. Vielleicht habe ich einfach nicht das nötige Input gehabt, um einen Draht zum Protagonisten herzustellen.


Bewertung



Mich würde interessieren, wie ihr das Buch fandet, wenn ihr es schon gelesen habt?
xx Isa

3 Kommentare

  1. Hallo :)

    Schade, dass dich das Buch nicht überzeugen konnte. Ich bin aber immer froh um solche ehrlichen Rezensionen, in denen Bücher schöner geredet werden, als sie letztendlich sind. Aus diesem Grund bleibe ich auch gleich mal als Leserin hier :)

    Liebe Grüsse ♥
    paperlove

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    1. Hi!
      Danke für deine lieben Worte ♥
      Mir ist es schwer gefallen, das so kritisch zu bewerten, gerade weil ich auch eine Person bin, die lieber nur die guten Seiten sieht, aber es sind eben nicht alle Bücher gut und da zweifle ich bei Blogs, die fast nur 5-Sterne-Bewertungen veröffentlichen, auch an der Authentizität...

      Liebe Grüße,
      Isa :-)

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  2. Hallo liebe Isa,

    endlich hatte ich auch mal Zeit bei dir vorbeizuschauen und ich mag deinen Blog total gerne. Das Design ist wirklich sehr hübsch und ich musste natürlich auch gleich als Leserin hier bleiben. :)
    Eine wirklich schöne und ehrliche Rezension. Genau das, was ich mag! Das Cover sieht wirklich toll aus und wahrscheinlich hätte ich genau wie du wegen London und der interessanten Thematik zu dem gegriffen, aber wegen deiner Rezension weiß ich einfach, dass es mir genauso wenig wie dir richtig gefallen würde.
    Danke für deine tolle Rezension. :)

    Ganz liebe Grüße x
    Sara

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