[Kein Kind ist falsch] Interessante Fluchtliteratur. Eine Liste.

Mittwoch, 1. Juli 2020

Herzlich Willkommen in meiner kleinen (hoffentlich bald längeren) Liste an lesenswerten Büchern zu meiner Aktion/Kampagne
KEIN KIND IST FALSCH
die ich fortführen und aktualisieren werde, da ich selbst von der Rarität solcher Literatursammlungen zu den Themen "Flucht, Migration und Rassismus" erstaunt bin und die Meinung vertrete, dieses Genre wäre viel populärer (oder zumindest beachtet), wenn es in die etablierten Kategorien des Buchgeschäfts mit aufgenommen würde (neben "Liebesroman" und "Biografie" ist doch noch Platz für eine weitere Subkategorie!). Einige der Bücher habe ich schon rezipiert, vorhandene Rezensionen verlinke ich natürlich (das dauert allerdings noch ein wenig, ich habe noch ziemlich Ärger mit der Codierung dieser Klappbox im Folgenden).

Diese Liste bezieht sich jedoch nur auf Kinder und Jugendliteratur und ist alphabetisch nach Nachname des Autors/ der Autorin geordnet.


Boie, Kirsten: Bestimmt wird alles gut


Illustrator: Jan Birck
Erscheinungsjahr: 2015
Format: gebunden
Seiten: 48
Verlag: Klett Kinderbuch

"Früher haben Rahaf und Hassan in der syrischen Stadt Homs gewohnt und es schön gehabt. Aber dann kamen immer öfter die Flugzeuge und man musste immerzu Angst haben. Da haben die Eltern beschlossen wegzugehen in ein anderes Land. Wie sie über Ägypten in einem viel zu kleinen Schiff nach Italien gereist sind und von dort weiter nach Deutschland – das alles hat sich Kirsten Boie von Rahaf und Hassan erzählen lassen und erzählt es uns weiter. Auch von einer schimpfenden Frau im Zug und einem freundlichen Schaffner. Und von Emma, die in der neuen Schule Rahafs Freundin wird." (Quelle: Klett Kinderbuch)

Altersempfehlung: ab 6 Jahren


Chambers, John: Neues Zuhause gesucht!


Illustrator: Henrike Wilson
Erscheinungsjahr: 2018
Format: gebunden
Seiten: 32
Verlag: Carlsen

Ankommen in einer anderen Welt: "Neues Zuhause gesucht!" vermittelt Kindern auf anschauliche Weise, wie es sich anfühlt, seine Heimat verlassen zu müssen und auf der Flucht zu sein. Die Pinguine riskieren eine bedrohliche Reise, um in ein neues Land zu gelangen. Werden sie dort ankommen und sich wohlfühlen?

Altersempfehlung: ab 4 Jahren






Fuchshuber, Annegert: Karlinchen - Ein Kind auf der Flucht 


Erscheinungsjahr: 2015
Format: gebunden
Seiten: 32
Verlag: Annette Betz Verlag

"Die Geschichte des kleinen Mädchens, das sein Zuhause verlassen musste, weil Feuer vom Himmel fiel, es Hunger hatte und ganz allein war, könnte sich genauso auch heute abspielen. An viel zu vielen Orten auf der Welt! Märchenhaft sind hier allein die Wesen, an die sich das Mädchen in seiner Angst und Hilflosigkeit wendet: die etwas unheimlichen und nicht sehr freundlichen Steinbeißer, die wenig kompromissbereiten Seidenschwänze oder auch die Nebelkrähen, die zwar freundlich zu Karlinchen sind, ihr aber außer einer toten Maus und einer Zuflucht hoch in den Bäumen nichts anbieten können. Erst recht keine Hilfe erhält sie bei den Reichen, die vor ihren übervollen Mülleimern die eigene Not beklagen – oder bei den Armen, die Angst um ihr eigenes Überleben haben." (Quelle: stiftunglesen.de)

Altersempfehlung: ab 5 Jahren


Holle, Katrin: Amani, sieh nicht zurück!


Erscheinungsjahr: 2016
Format: gebunden
Seiten: 80
Verlag: Neudenken Media 

Lange war es in Amanis Dorf sicher. Der Krieg war weit weg. Sie ging in die Schule und spielte mit ihrem Freund Binan Fußball. Doch irgendwann erreichte der Krieg ihr Dorf. Die Menschen hatten große Angst. Dann passierte etwas Furchtbares. Mitten in der Nacht wurde Amani von ihren Eltern geweckt. Sie musste aufstehen. Das Einzige, was sie mitnehmen durfte, war ihr Teddybär. Die Familie brach zu einer gefährlichen Flucht auf. Mit nur einem Ziel: Frieden. (Klappentext)


Altersempfehlung: 0 bis 6 Jahre


Kobald, Irena: Zuhause kann überall sein


Illustrator:
Freya Blackwood
Erscheinungsjahr: 2015
Format: Hardcover
Seiten: 32
Verlag: Knesebeck Verlag

"Das kleine Mädchen Wildfang musste seine Heimat verlassen und vor dem Krieg in ein fremdes Land fliehen. Alles dort scheint kalt, abweisend und vor allem fremd: die Menschen, die Sprache, das Essen und sogar der Wind. Wildfang möchte sich am liebsten nur noch in ihre geliebte Decke wickeln, die gewebt ist aus Erinnerungen und Gedanken an zuhause. Doch dann trifft sie im Park ein anderes Mädchen, das ihr nach und nach die fremde Sprache beibringt und mit ihr lacht. Und so beginnt Wildfang wieder eine Decke zu weben aus Freundschaft, neuen Worten und neuen Erinnerungen, die sie wärmt und in der sie sich zuhause fühlt. Ein wärmendes Buch über Integration und das Ankommen in einer neuen Umgebung." (Quelle: Amazon)

Altersempfehlung: ab 5 Jahren

Marmon, Uticha: Als wir Adler wurden


Erscheinungsjahr: 2020
Format: Hardcover
Seiten: 224
Verlag: FISCHER Sauerländer

Jannik und Loni sind beste Freunde. Zusammen mit den anderen Kindern aus der Straße erleben sie die genialsten Abenteuer. Die Geschichten dafür gibt Bo vor, Janniks älterer Bruder. Doch irgendwann verändern sich ihre Spiele, denn Bo erfindet immer neue Regeln. Eine davon lautet: Loni ist anders. Und das nur, weil ihre Mutter aus Kenia kommt. Jannik muss sich entscheiden, was ihm wichtiger ist – dazuzugehören, oder Loni als Freundin nicht zu verlieren. Aber dann passiert etwas, was niemand vorausgesehen hat … (Quelle: FISCHER Sauerländer)

Altersempfehlung: ab 9 Jahren



Rabinowich, Julya: Dazwischen: Ich



Erscheinungsjahr: 2016
Format: Taschenbuch
Seiten: 306
Verlag: dtv

"Wo Madina herkommt? Krieg herrschte dort. Nun lebt die endlich mit ihrer Familie in einem Land, das Sicherheit verspricht. Für sie fühlt es sich hier nach Zukunft an. Doch die Eltern lässt die Vergangenheit nicht los. Und so ist es an Madina, tätig zu werden. Mittlerin zu sein zwischen ihrer Familie im Flüchtlingsheim und dem unbekannten Leben außerhalb." (Klappentext)

Altersempfehlung: Ab 14 Jahren





Redondo, Susana Gómez: Am Tag, als Saída zu uns kam


Illustrator: Sonja Wimmer
Erscheinungsjahr: 2016
Format: gebunden
Seiten: 32
Verlag: Peter Hammer Verlag

"Es ist Winter, als Saída ankommt. Sie kommt mit ihrem Koffer und ohne ein Wort. Das Mädchen, das ihre Freundin werden will, beginnt zu suchen. Überall forscht sie nach Saídas Wörtern, sie sucht unter Tischen und zwischen Buntstiften, in Manteltaschen und Heften. Erst als sie versteht, dass Saída ihre Sprache nicht verloren hat, sondern mit ihren Wörtern in diesem frenden Land nichts anfangen kann, beginnen die Mädchen mit dem Tauschen: fremde Wörter gegen eigene, neue Laute gegen vertraute, Schriftzeichen, die wie Blumen aussehen, gegen Buchstaben aus Balken und Kreisen. Über diesem Hin und Her vergeht der Winter und als die Mandelbäume blühen, sind sie Freundinnen, jede reicher durch die Welt der anderen." (Klappentext)

Altersempfehlung: ab 5 Jahren


Rezension | "Zwei Wochen im Juni" - Anne Müller

Dienstag, 23. Juni 2020

"Ada liebt ihr Elternhaus an der Ostsee mit dem herrlichen Bauerngarten, doch nun heißt es, Abschied nehmen. Nach dem Tod der Mutter muss Gragaard verkauft werden. Zusammen mit ihrer Schwester Toni räumt sie Haus und Bootsschuppen aus, und eine Reise in die Vergangenheit beginnt: Da sind die Abendkleider der Mutter, die die rauschenden Sommerfeste wiederaufleben lassen und die glücklichen Tage, bevor der Vater die Familie verließ. Und da sind die Ölporträts, die der russische Maler Maxim, um dessen Aufmerksamkeit die Mädchen buhlten, einst von ihnen angefertigt hat. Als sie im Sekretär einen Brief der Mutter an sie beide finden, fasst Ada endlich den Mut, sich ihren Sehnsüchten zu stellen, und aus dem Abschied wird Aufbruch." (Quelle: Randomhouse.de)


Erscheinungsjahr: 2020
Format: Hardcover
Seiten: 240
Genre: Roman
Verlag: Penguin

Buchempfehlung | "Bis die Zeit verschwimmt" - Svenja K. Buchner

Mittwoch, 29. April 2020

Ich möchte euch heute gern ein weiteres Jugendbuch ans Herz legen, welches ich mit großer Freude gelesen habe. (Danke an den Verlag für das Rezensionsexemplar!)

Zeit. Für Helene bleibt sie stehen, als ihre beste Freundin Cassie stirbt. Weiterleben kann sie nur, indem sie Antworten sucht – beim Amokläufer, bei seinen Opfern, bei den Hinterbliebenen. Helene verliert sich in Wut, Trauer und Schuld. Nur manchmal, zusammen mit Erik, kommt das längst vergessene Gefühl der Leichtigkeit zurück. Aber darauf kann Helene sich nicht einlassen, ohne Cassie zu verraten ...( Quelle: lovelybooks.de)

Erscheinungsjahr: 2020
Format: Hardcover
Seiten: 319
Genre: Jugendroman/ Coming-of-Age
Altersempfehlung: ab 13 Jahren
Verlag: Thienemann

Über die eigene Lesebiografie reflektieren - Sechs Fragen

Freitag, 10. April 2020

Ich habe in meinem ersten Semester an der Uni eine Aufgabe erfüllen müssen, die bei den anderen Studierenden, die diese Vorlesung besuchten, größtenteils Unmut hervorrief. "Schreibt eure eigene Lesebiografie!" Es war nachvollziehbar, dass viele meiner Kommilitonen in dieser Aufgabe keinen Sinn erkennen konnten, da die meisten von ihnen kaum lasen. Ich dagegen fand die Idee toll. Und je länger ich über meinen Kontakt mit Büchern nachdachte und mein Leseverhalten reflektierte, desto mehr konnte ich erkennen, dass mein Bezug zum Lesen stark mit meiner Sozialisation, meiner Familie und dem Verlauf meines weiteren Lebens verknüpft ist.

Weil ich sehr neugierig bin, wie eure Lesebiografie aussieht, habe ich mir ein paar Fragen überlegt, die ihr gern in euren eigenen Blog kopieren könnt, um sie ebenfalls zu beantworten! Ich würde mich sehr darüber freuen. :-)
Man kann viele interessante Schlüsse über die eigene Kindheit ziehen und meiner Meinung nach macht das dieses diffuse Konstrukt "Leseförderung" ein bisschen transparenter und leichter zu verstehen: Was ist nötig, um einen Menschen zum Lesen zu bringen? Und da viele von uns nun (mehr oder weniger) zu Hause gefangen sind, ist es doch genau die richtige Zeit, um mal die eigene Vergangenheit zu reflektieren. Ich denke, es ist in den meisten Fällen die bessere Alternative zum minutiösen Verfolgen der Tagesnachrichten. ;-)

[Kein Kind ist falsch - Buchvorstellung] "Als wir Adler wurden" - Uticha Marmon

Freitag, 3. April 2020

Hallo, ihr Lieben!
Ich setze heute meine Blogaktion fort und stelle euch ein Kinderbuch vor, in welchem sehr eindrücklich erzählt wird, was Vorurteile, Hass und eine falsche Vorstellung von Gerechtigkeit mit Freunden, Nachbarn, Arbeitskollegen anstellen können und wie eine ganze Siedlung kollektiv wegschaut, wenn die Abneigung zu Rassismus wird.

Jannik und Loni sind beste Freunde. Zusammen mit den anderen Kindern aus der Straße erleben sie die genialsten Abenteuer. Die Geschichten dafür gibt Bo vor, Janniks älterer Bruder. Doch irgendwann verändern sich ihre Spiele, denn Bo erfindet immer neue Regeln. Eine davon lautet: Loni ist anders. Und das nur, weil ihre Mutter aus Kenia kommt. Jannik muss sich entscheiden, was ihm wichtiger ist – dazuzugehören, oder Loni als Freundin nicht zu verlieren. Aber dann passiert etwas, was niemand vorausgesehen hat … (Quelle: FISCHER Sauerländer)

Erscheinungsjahr: 2020
Format: Hardcover
Seiten: 224
Genre: Kinderbuch
Altersempfehlung: ab 9 Jahren
Verlag: FISCHER Sauerländer

[Rezension] "Die stummen Wächter von Lockwood Manor" - Jane Healey

Dienstag, 31. März 2020

Heute möchte ich einen Roman vorstellen, der zu einem Genre zählt, welches ich normalerweise eher selten zur Hand nehme...eine Historie. Dieser hier hat mich trotzdem sehr positiv überrascht.

1939. Hetty Cartwright muss eine Sammlung des Londoner Natural History Museum vor dem heraufziehenden Krieg in Sicherheit bringen – ins verfallene Herrenhaus Lockwood Manor. Doch das Haus wirkt auf Hetty wie verflucht: Ihre geliebten Exponate, der ausgestopfte Panther, die Kolibris und der Eisbär, verschwinden, werden zerstört und scheinen nachts umherzuwandern. Zusammen mit der Tochter des tyrannischen Hausherrn, Lucy Lockwood, versucht Hetty, die nächtlichen Geschehnisse zu ergründen, und bringt ein tragisches Geheimnis ans Licht. Eine fesselnde und betörende Geschichte über eine große Liebe und den Wahnsinn einer Familie, ihre lang vergrabenen Geheimnisse und versteckten Sehnsüchte. (Quelle: Hanser)

Erscheinungsjahr: 2020
Genre: Historischer Roman, Liebesroman
Sprache: Deutsch (übersetzt von Susanne Keller)
Verlag: hanserblau
Seiten: 384

Schubladendenken

Montag, 30. März 2020

Heute habe ich
eine Schublade aufgezogen
in meinem Gedächtnis.
Aus Versehen,
ich wusste gar nicht mehr, 
was ich dort alles verstaut hatte.
Und jetzt denke ich,
dass es vielleicht besser gewesen wäre,
sie irgendwie zu markieren,
damit ich sie auf keinen Fall 
versehentlich öffnen kann.

Nun ist die Schublade auseinandergefallen,
so spröde war sie schon,
und all die sorgsam archivierten Erinnerungen 
haben sich 
über meinen Boden der Tatsachen
verteilt,
und mein Blick ist wie 
festgefroren
darauf gerichtet,
und es wird wieder 
so,
so
lange dauern,
bis ich den ganzen Mist
zurück in den Schrank
gestopft habe.