Buchempfehlung | Cider mit Rosie - Laurie Lee

Sonntag, 15. April 2018

Heute melde ich mich mit einem ganz besonderen Buch, welches ich jedem von euch ans Herz lege, egal, in was für einem Genre ihr normalerweise unterwegs seid. Im März hatte ich den Roman auf der LBM entdeckt und gekauft, ehe ich wirklich wusste, was ich da in der Hand halte. Das hübsche Cover und der wundervolle Klappentext haben mich dazu bewogen, dem Ganzen eine Chance zu geben. Ich merke, dass ich selten mehr als eins der recht langen Kapitel am Stück lesen kann, da ich mir Zeit nehmen muss, über die Worte nachzudenken und meine eigenen Empfindungen zu verarbeiten, weil es mich persönlich so berührt. Mittlerweile bin ich mit zwei Dritteln der Erzählung fertig, doch da es schon jetzt zu meinem absoluten Lieblingsbuch geworden ist, wollte ich es euch nicht länger vorenthalten!

"Wo ich vorher gewohnt habe, weiß ich nicht. Mein Leben hatte auf dem Wagen des Fuhrmanns begonnen, der mich über die langen sanften Hügel zu diesem Dorf gebracht hatte, wo ich, im hohen Gras ausgesetzt, erst mal verloren ging. Heulend stand ich im sirrenden Dschungel dieses Sommerhangs - in diesem Moment, so schien es mir, wurde ich geboren." (Klappentext)

Erscheinungsjahr: 1959/ neu übersetzt 2018
Genre: Biografie
Originalsprache: Englisch
Verlag: Unionsverlag
Seiten: 320

Ich schäme mich, beim Kauf gedacht zu haben, Laurie Lee wäre eine Frau und der Roman leichte Gegenwartsliteratur. Das ist es nämlich nicht, Leute. Ganz und gar nicht. Bei meiner Recherche habe ich herausgefunden, dass "Cider mit Rosie" der erste Band der dreiteiligen Autobiografie des Autors ist, schon mehrmals verfilmt wurde und in vielen britischen Schulen als Pflichtlektüre gelesen wird. "Pflichtlektüre" klingt vielleicht etwas abschreckend, denn an die Werke, die ich damals lesen musste, erinnere ich mich nur ungern. Ich kann euch aber versichern, dass diese Erzählung wunderschön und keineswegs langweilig ist.

Das Buch bezieht sich auf Lees erste Lebensjahre, die er so rührend beschreibt, dass ich kaum aus dem zustimmenden Nicken herauskomme. Ja, genauso habe ich auch meine frühe Kindheit in Erinnerung und es fasziniert mich, wie er Worte dafür findet, was mir nur noch als verschwommene Empfindung im Kopf geblieben ist. Natürlich ist es eine ganz andere Zeit, denn ich bin fast 90 Jahre später zur Welt gekommen, muss nicht mehr frieren, wenn das Brennholz im Winter aufgebraucht ist und hungere auch nicht, denn das Geld reicht immer aus. Aber die Natur, die er mit drei Jahren entdeckt, ist auch nach einem Jahrhundert noch genauso eindrucksvoll und die Geborgenheit innerhalb seiner Familie hat mich sehr an meine eigene erinnert.

Um euch die zauberhafte Sprache, mit dem Laurie Lee zum Beispiel den Sommer -zufällig meine Lieblingsjahreszeit- beschreibt, zu demonstrieren, hier noch ein schönes Zitat:
"Sommer, Junisommer, brachte das Grün zurück auf die Erde, die ganze Welt tat sich auf und sprudelte über. [...] Draußen wusste man kaum zu sagen, was passiert war, noch konnte man sich an irgendeine andere Zeit erinnern. Nie hatte es Regen, Frost oder Wolken gegeben, immer war es genauso wie jetzt gewesen." (S.197/198)

Vielleicht könnt ihr nachempfinden, wie mir das Herz bei diesen Worten aufgeht, und setzt euch selbst einmal an dieses Werk. Ich kann es euch wärmstens empfehlen.

xx Isa

1 Kommentar

  1. Das muss ja wirklich ein ganz besonderes Buch sein, wenn du so davon schwärmst. Dieses Zitat hast du mir ja schon auf meinem Blog geschrieben und ich war dann schon recht überzeugt. Biografie ist normalerweise nicht so mein Thema aber ich liebe auch Bücher mit einem Sinn und einer wundervollen Sichtweise zum Leben. Vielleicht finde ich online ja eine kleine Leseprobe, das ich mich da etwas einlesen kann. :) Dir wünsche ich weiterhin natürlich noch viel Spass beim zu Ende lesen.

    Bis bald! ♥

    AntwortenLöschen