Rezension | "Ein Monat auf dem Land" - J.L. Carr

Samstag, 13. Januar 2018

Sommer 1920 im nordenglischen Oxgodby: Als auf dem Bahnhof ein Londoner aus dem Zug steigt, weiß gleich das ganze Dorf Bescheid: Er ist der Restaurator, der das mittelalterliche Wandgemälde in der örtlichen Kirche freilegen soll. Doch was steckt hinter der Fassade des stotternden und unter chronischen Gesichtszuckungen leidenden Mannes? Tom Birkin hat im Ersten Weltkrieg gekämpft, als traumatisierter Veteran wurde er von seiner Frau verlassen. Er hofft, in der Ruhe und Einfachheit Yorkshires zu gesunden. Und tatsächlich: Je näher er dem Meisterwerk hinter der Kirchendecke kommt, desto näher kommt er auch sich selbst. Und seinen Mitmenschen. Langsam gelingt es ihm, sich der Welt um sich herum zu öffnen, vielleicht sogar der Liebe. Der Monat auf dem Land ist ein Monat der Heilung. Was Birkin hier erlebt, wird er sein Leben lang mit sich tragen… (Klappentext)

Erscheinungsjahr: 1980 (Erstveröffentlichung), 2016 im Dumont-Verlag
Genre: Fiktion
Sprache: Deutsch (übersetzt)
Verlag: Dumont
Seiten: 158



J.L Carr war ein britischer Schriftsteller aus Yorkshire, der nach seinem Kriegsdienst während des zweiten Weltkrieges zunächst als Lehrer arbeitete, sich jedoch später dazu entschloss, sich vollständig dem Schreiben zu widmen. Er gründete einen eigenen Verlag und verfasste neben "A Month in the Country" einige weitere Romane, jedoch blieb das genannte Buch am erfolgreichsten und wurde 1987 verfilmt.

Die Geschichte erzählt von dem Restaurator Tom Birkin, der als stiller verschlossener Kerl nach seinem Einsatz im Krieg für einen Auftrag 1920 in das verschlafene Oxgodby reist.
Die Bewohner des Dorfes schließen ihn jedoch sofort in ihre Herzen und so ist Tom von einem Tag auf den Anderen Kricket-Schiedsrichter, Aushilfslehrer in der Sonntagsschule und Prediger. Zusätzlich zu seiner Aufgabe, ein Kirchengemälde freizulegen.
Er findet neue Freundschaften und lernt, jeden Tag aufs Neue zu lieben, wenn die Sonne über dem Tal aufgeht und die Hitze jeden Atemzug zu einem Kraftakt macht.
Eine Person, Moon, spielt eine besondere Rolle in dieser Zeit, denn wie Birkin ist auch er Kriegsveteran, der auf Grund eines Auftrags über die Sommermonate in Oxgodby verweilt und fortan Birkins Vertrauter und Freund ist.
Die Art, wie Carr die Natur und das Dorf beschreibt, zeugt von seiner eigenen Verbundenheit zur Heimat Yorkshire - die bildlich in jedem Satz zum Ausdruck kommt. Ich musste beim Lesen ständig innehalten, um die Atmosphäre der Szenen richtig genießen zu können. Auch jetzt klingt die Stimmung noch in mir nach, was in der trüben Zeit gerade echt angenehm ist.

Der Roman ist aus Birkins Perspektive geschrieben, der sich nach Jahren an diesen Sommer erinnert, so spricht er den Leser oft direkt mit "Sie" an und behält teilweise die chronologische Reihenfolge nicht genau bei, als würde er die Erinnerungen mit einem ihm gegenwärtigen Publikum teilen und hier und dort, wie es üblich ist, vorausgegangene Erzählungen mit weiteren Informationen ergänzen, die ihm im Nachhinein noch einfielen.

Oft hat mir der Stil und die Wortwahl bei Klassikern (Ja, der Roman ist ein moderner Klassiker) nicht zugesagt, da mir die Sätze zu kompliziert konstruiert waren oder ich mich mit dem Thema nicht identifizieren konnte.
"Ein Monat auf dem Land" hat mich jedoch - mit der deutschen Übersetzung - in diesen Punkten tatsächlich sehr angesprochen. Ich habe das Buch in Erwartung an einige ruhige Stunden, in denen ich mir den Sommer etwas näher holen kann, gekauft und wurde nicht enttäuscht. Die Sätze lesen sich flüssig, die Geschichte plätschert so dahin, ohne den Leser zu langweilen.
Ein Roman dieses Genres kann nicht die Spannung eines Action-Thrillers bieten, das hat er auch gar nicht nötig.
Vielmehr sind es die Wortmalereien, die den Charakter des Buches ausmachen, die die wunderschönen ländlichen Szenen in meinem Kopf entstehen lassen.

Es ist eine Hommage an den Sommer und die blühende Natur, die sowohl der Protagonist Tom Birkin und auch Autor J.L. Carr zu schätzen wissen und ihrerseits dem Lesenden mit dieser Erzählung humorvoll nahe bringen.

Bewertung 


xx Isa

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